Manchette du journal Elsasser Tagblatt, édition de janvier 1914

Elsasser Tagblatt est un quotidien alsacien en langue allemande, édité à Colmar, qui paraît de 1889 à 1918.
En Alsace, le journal germanophone « Quotidien alsacien » est celui qui parlera le plus de l’affaire Cadiou. Cela montre à quel point l’affaire a été peu relayée dans une région alors sous administration allemande. Malgré les liens entre l’usine de la Grande-Palud et le fournisseur et actionnaire Temming de Buhl, l’affaire n’a jamais fait la une ni fait l’objet de longs articles retraçant les nombreux rebondissements de l’enquête.
L’affaire Cadiou au quotidien
1914 : 4 articles

Source : BnF Gallica

Neues aus aller Welt.
Eine verkrachte Sprengstoff-Fabrit.

Paris, 13. Jan. Das plötzliche Verschwinden des Direktors der Brefter Schießbaumwollfabrik, Cadiou, gestaltet sich zu einer sensationellen Affaire. Die Familie des Verschwundenen hält an der Version eines Unglüdsfalles feft. Der ehemalige Bürgermeister des Ortes, an dem sich die Schießbaumwoll-fabrik befindet, Leblanc [Legrand], gab dagegen Journalisten gegenüber eine interessante Erklärung ab. Er gab feiner Vermutung Ausdrud, daß Cadiou infolge schlechten Geschäftsganges die Flucht ergriffen hatte. Der Bürgermeister er- flärte weiter, daß er vor einigen Jahren von dem damaligen Kriegsminister Berteaur die Konzeffion zur Gründung einer Schießbaumwollfabrit erhielt, der jedoch Cadiou aufs dringende aufforderte, deutsche Ingenieure zu engagieren, da diese auf dem Gebiete bedeutend bewanderter feien als die französischen. Die Gesellschaft wurde infolgedessen zu zwei Dritteln mit deutschem Kapital gegründet und zwei deutsche Herren waren die Hauptaktionäre, und zwar die Herren Thiemg [Temming] aus Bühl und Fallmann aus Mannheim. Ein preußischer Reserveoffizier namens Preiß [Greiss] wurde Direktor. Nach den Unglüdsfällen auf den Panzerschiffen  » Iena » und  » Liberte » und dem Pulverstandal wurde jedoch der Fabrik von dem Nachfolger Berteaur die Konzeffion entzogen, obwohl sie teinerlei Lieferung für die von den Katastrophen betroffenen Schiffe ausgeführt hatte. Die deutschen Teilhaber schieden daher aus der Gesellschaft aus und seit der Zeit ging das Geschäft so schlecht, daß der Direktor Cadiou unmittelbar vor dem Bankerott stand.
Trauung auf dem Totenbett im Gefängnis.
Im Gefängnis zu Gelsenkirchen explodierte eine Petroleumlampe. Da bei wurde ein Gefangener so schwer verbrannt, daß er nach turzer Zeit starb. Bevor der Tod eintrat, ließ er sich mit seiner Braut trauen.

9 février 1914 – p. 6

Entdeckung einer Mordtat durch eine Hellseherin.

Die Entbedung einer furchtbaren Bhuttat ruft gegenwärtig nicht nur in der Bretagne, wo sie begangen wurde, sondern auch in Paris, wo Opfer und Täter bekannt waren, großes und berechtigtes Aufsehen hervor. Seit dem 30. Dezember v. J. war der Direttor der Schießbaumwollfabrik von La Grande Palud, von der im Augenblicke der Krise der Schießpulver der Marine sehr viel die Rede gewesen war, herr Louis Cadiou, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der sich später mit der Verwaltung und dann der Leitung dieser Fabrit beschäftigt hatte, spurlos verschwunden, obwohl seitens seines Brus bers die größten und eifrigften Bemühungen gemacht worden waren, wenig stens die Leiche des Verschollenen ausfindig zu machen, da er vom ersten Augen- bliche an fest davon überzeugt war, daß der Direktor der Pulverfabrik einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Vor zwei Tagen erhielt nun Herr Jean
Cadiou von einer Verwandten aus Nanch ein höchft eigenartiges Schreiben, in dem diese ihm Mitteilung von einem Gespräche mit einer spellehrein machte. Es hieß da: Leon [Louis] Cadiou ift tatsächlich von einem großen dunkelblonden bärtigen Manne von 30-35 Jahren ermordet worden, dem ein anderer flei- nerer als Aufpaffer zur Seite stand. Man hatte ihm eine Falle gestellt, um ihn zum Straucheln zu bringen. Vielleicht war das ein Strid. Als er gegen vier oder fünf Uhr am Boben lag, erhielt er einen heftigen Schlag an der rechten Kopfseite, dann einen zweiten in den Rücken, allein der legtere war überflüssig, da der erste ihn bereits getötet. Dean suche ihn nicht im Waffer, er ist nicht dort, sondern in einem Erdhügel nahe einem kleinen Gehölze. Der Ort ist leicht mit Erde bedeckt, rechts von einer Mühle. Die Leiche wird aufgefunden und der Mörder gefaßt werden. » Herr Jean Cadiou schien anfangs etwas ungläubig, richtete aber dann seine Nachforschun- gen in die bezeichnete G-gend und entdeckte in der Tat in einem kleinen Ge- hölze nahe einer Mühle eine Stelle, wo die Erde frisch aufgewühlt zu sein schien. Er rührte mit seinem Stocke ein wenig herum und zog dabei ein kleines Stück Wollzeug hervor. Nun grub er mit seinen Händen weiter und fand zu feinem großen Entseßen die bis zur Untenntlichkeit entstellte Leiche eines Brubers. Diese wurde nun nach der Fabrit gebracht und die Gerichtsbehörden benachrichtigt, bie sofort die Feststellung machten, daß der Schädel nahezu bollständig zertrümmert und der Hals wie mit einer Sense durchschnitten war. Der Umstand, daß der Ermordete Handschuhe trug, läßt baruf schließen, daß er das Opfer eines Hinterhaltes geworden war. Auf Grund der formellen Anklage Herrn Jean Cabiou’s wurde der Ingenieur der Pulverfabrik, Herr Perre [Pierre], der seit 4 Jahren dort angestellt war, als der mutmaßliche Mörder verhaftet, obwohl er jede Schuld mit der äußersten Energie leugnete. Der Anfläger flüßt seine Beschuldigungen barauf, daß der Ingenieur Pierre aus feiner Stellung gefündigt worden war und nicht vor dem Meuchelmorde aurüdschredte, um Direktor der Fabrik zu werden. Die Gerichtsbehörden glaubben natürlich nicht an die Geschichte mit der Hellseherin, sondern neigen ber Ansicht zu, daß diese nur erdacht worden war, um das Auffinden der Leiche sensationeller zu gestalten. Da die Familie einen Betrag von 2000 Francs für die Entdeckung der Leiche ausgeschrieben hatte, wird es sich wohl zeigen, ob die angebliche Hellseherin sich melben wird, um die ausgefeßte Belohnung aut erhalten.

11 février 1914 – p. 5

Der Mord von La Grande-Palue.

Die Hellseherin in dem Cadiou-Mordstandal, die anfangs als eine Fabel verlacht worden war, scheint den Steptitern zum Troge tatsächlich eigenartige Fähigleiten zu besigen, die wohl psychiatrisch zu ertlären sind. Ein Mitarbeiter des « Journal » hat sich auf den Weg gemacht, und die Hellseherin in Nanch glüdlich entdeckt. Die Dame nennt sich bescheiden Madame Camille und verwahrt sich energisch dagegen, mit den maritschreierischen Wahrfagerinnen irgendwie verwechselt zu werden. Sie rühmt sich seit 25 Jahren ehrenhaft ihren Beruf auszuüben und von allen Aerzten in der Stadt gefannt zu sein. Die Hellfehrgabe sei ihr durch eine Reihe von physischen und psychischen Prüfungen geworden. Dreizehn Jahre alt litt sie am Beitstanze und wurde im Hospital von dem Psychiater Dr. Bernheim behandelt, der zahlreiche Hypnotismusversuche mit ihr anstellte. Sie sei als außerordentlich empfindliches Meb um auf vielen wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt wor den und habe großes Aufsehen hervorgerufen. Tatsächlich bestätigen die von der Frau angeführten Gelehrten außer Profeffor Bernheim Professor Liésgeois, Dr. Liébault und andere, alles, was sie dem Berichterstatter mits teilte. Was nun die Untersuchung über den geheimnisvollen Mord selbst betrifft, fo find noch immer teine hinreichenden Beweise gegen ben verhafteten Ingenieur Pierre gesammelt worden u. man bleibt nach wie vor bei den Inbizien, die bereits gemeldet wurden. Außer Frage steht jedenfalls, daß der Ingenieur mit dem Ermordeten am 30. Dezember, also am Tage des Verschwindens bes unglüdlichen Cadiou, in der Richtung auf die tragische Mühle zu gesehen wurde. Unter den Verdachtsgründen gegen den Ingenieur oder vielmehr unter den Motivierungen der Ansicht, daß er das Verbrechen begangen, wird jezt noch folgendes hervorgehoben: Es war zu Mißhelligkeiten zwis schen Cadiou und Pierre gekommen, weil der erstere erfahren hatte, es wären seinem Ingenieur Anerbietungen von einer Konkurrenz-Gesellschaft gemacht worden. Er hatte deshalb beschloffen, diesen Mitarbeiter zu entlassen. Pierre hatte selbst einen Kontrakt unterzeichnet, um in eine andere Fabrik in der Um- gebung einzutreten. Diesen hätte er nun aber wenige Tage nach dem Verschwinden Cadiou’s ridgängig gemacht. So wird die Meinung begründet, baß der Ingenieur sich mit der Hoffnung schmeichelte, zum Nachfolger Cadiou’s als Leiter der Fabrik von La Grande-Palue berufen zu werden. An- bererseits ist ermittelt worden, daß Pierre mit dem Großindustriellen Legrand, ehemaligem Maire von Landerneau, in Verhandlungen getreten war, um eine Konkurrenzfabrit in Danulas zu grünben und zu leiten. Pierre hatte die Vorschläge Legrands im Prinzipe angenommen, sich aber eine endgiltige Antwort bis zum 10. Januar vorbehalten. Nach dem Verschwinden Cadiou’s ließ er aber sofort Herrn Legrand wissen, er breche die Besprechungen ab. So liefe also alles dahin aus, daß Pierre mit der Beseitigung Cadiou’s fich dessen Plaz sichern wollte, was durch das Zurückweisen anderer günstiger Vorschläge durch den Ingenieur nach dem Morbe sozusagen bewiesen würde. Aber das genügt doch weitaus nicht für bie juridische Motivierung einer Mord- antlage und so bleibt man auch in der öffentlichen Meinung bisher noch sehr zögernd in dieser verwickelten und geheimnisvollen Angelegenheit.

25 février 1914 – p. 5

Die Mordaffaire Cadiou.

In der Morbaffaire Cadiou, über die noch tiefes Dunkel lagert, hat sich ein neuer Zeuge gefunden. Ein Hardlungsreisender, der in einem Hotel in Dinan abgestiegen war und bei Tisch während der Unterhaltung auf die Angelegenheit Cadiou zu sprechen tam, teilte mit, daß er in den ersten Tagen des Januar bei dem Ingenieur Pierre gewesen sei. Er erzählte weiter, daß diefer ihm einen Revolver zeigte, mit dem er dann selbst mehrere Schüsse abfeuerte. Der Ingenieur habe ihm keineswegs den Kauf seiner Waffe angeboten, ebensowenig habe er um Ueberlassung der Waffe gebeten. Diese neue Beugenausfage bedeutet ein neues belastendes Moment für den bes Mordes verdächtigen Ingenieur Pierre, der bekanntlich erklärte, seinen Rolber einem Reifenben, deffen Name er nicht kenne, verkauft zu haben. Wie verlautet, soll der Zeuge demnächst in der Sache tommiffarische vernommen werden.