Manchette du journal Munchner Neueste Nachrichten, édition de mars 1914

Münchner neueste Nachrichten est un quotidien allemand, édité à Munich, qui paraît de 1848 à 1945.
Les Dernières nouvelles de Munich font partie des journaux allemands qui ont le plus évoqué l’affaire Cadiou, ce qui montre à quel point celle-ci est restée peu relayée outre-Rhin. Malgré les liens entre l’usine de la Grande-Palud et ses fournisseurs allemands de matières premières, l’affaire n’a jamais fait la une ni fait l’objet de longs articles détaillant les nombreux rebondissements de l’enquête. Toutefois, l’article du 17 mars se distingue en proposant plusieurs pistes pour expliquer le crime, dont celle d’un mobile familial lié à l’assurance-vie.
L’affaire Cadiou au quotidien
1914 : 3 articles

Source : Münchener Digitalisierungszentrum

20 février 1914 – p. 2

Die Untersuchung eines Mordes, der vor einigen Wochen in dem kleinen französischen Orte Landernau bei Brest begangen wurde, nimmt jezt eine immer merkwürdigere Wendung an. Ende vergangenen Monats ist der Besther der Bulverfabrik in Landerneau, Direktor Cadiou, mit durchschnittenem Halfe im Walde tot aufgefunden worden. Es wurde zunächst angenommen, daß Cadiou Selbstmord begangen habe, und es wurde deshalb die Leiche zur Beerdigung freige geben. Bald aber entstand das Gerücht, daß der erste Beamte der Pulverfabrit, der Ingenieur Pierre, den Besitzer ermordet habe. Der Berdächtigte wurde sofort verhaftet, aber es gelang nicht, Licht in die Sache zu bringen.
Am Dienstag bot sich aber bei der Obduktion der exhumierten Leiche Cadiou eine große Ueberraschung. Es wurde in seinem Beibe eine Revolverfugel gefunden. Der Schuß war von hinten auf Cadiou abgegeben. Der Ber dacht hat sich infolgedessen gegen den Ingenieur Pierre sehr verdichtet. Dieser leugnet jede Schuld und sucht die Wahrscheinlichkeit eines politischen Mordes glaubhaft zu machen. Er deutet an, aus der Affäre Cadiou tönne sehr leicht der große fran zösische Pulveritandai werden.

17 mars 1914 – p. 2

Lagesneuigkeiten Der Fall Cadiou

In dem Falle Cadiou, der Publikum und Breffe in Frankreich fett über zwei Monaten ungemein beschäftigt, scheint sich, wie die Frankfurter Zeitung berichtet, eine verblüffende Löung vorzubereiten. Danach läge überhaupt tein Mord, sondern ein Selbstmord oder, was das Allerüberraschendste wäre, die Sub st t tulerung einer fremben Leiche für die Cabtous vor, der seinerseits einfach verschwunden fet. Man sagt nämlich jest, Cadiou habe nicht nur mit finanziellen Verlegenheiten zu kämpfen gehabt, sondern auch sehr bedentliche Kompromit fterungen befürchten müssen. Deshalb habe er sich entschlossen, seinem Dasein ein Ende zu machen oder aber zu verschwinden.
Bei Annahme der ersteren Version, des Selbstmordes, hätten die Beteiligten, d. h. die Familie, den Leichnam, von dem sie genau wußten, wo er zu finden war, so hergerichtet, daß man auf einen Mord schließen müßte. Sie hätten diese grausige Inszenierung für notwendig befunden, weil sie im Falle der Feststellung eines Selbstmordes die bes beutende Lebensversicherungs-Prämie verloren hätten, die Cadiou für seine Erben fon trahiert hatte. Das würde auch erflären, weshalb der Leichnam, der erst nach mehreren Wochen in einem durchweichten Gelände gefunden wurde, verhältnismäßig gut erhalten war, wenn auch durch die Schnitte und sonstigen furchtbaren Verletzun gen die Züge unfenntlich waren.
Und diese Unkenntlichkeit der Züge führt eben zu einer zweiten Vermutung, nämlich, daß der gefundene Leichnam vielleicht gar nicht der Cabious ist, sondern der einer anderen Berson, die eines natürlichen Todes gestorben und deren entjeelter Körper für diesen Zweet hergerichtet wor den ist. Es würde sich dann auch einigermaßen erflären, daß man noch immer nicht über das Datum des legten Auftauchens Cadiou unter den Leben den volle Sicherheit hat. Jetzt hat sich nämlich ein Zeuge gemeldet, der beteuert, ihn am 4. Januar d. J., also fünf Tage nach seinem spurlosen Verschwinden aus der Gegend der Pulverfabrit La Grande-Palud in der Wandelhalle des Pariser Bahnhofs Saint-Lazare gefehen zu haben.
Von der Vernehmung dieses neuen Zeugen ver spricht man sich eine große Ueberraschung, da er, wenn er als Beamter feines Dienstoeheimnisses entbunden würde, eine Berson ans geben wird, mit der er Cadiou zusammen ges sehen haben will und die dann als sehr nahe bes telligt in den schlimmsten Verdacht geraten dürfte. Jedenfalls glaubt man sicher zu sein, daß die Lösung dieses rätselhaften Verschwindens bes Befigers der Pulverfabrit La Grande-Palud nicht mehr auf sich warten lassen wird.

27 mai 1914 – p. 2

Zum Fall Cadiou. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde der des Mordes an dem Fabrikanten Cadiou beschuldigte Ingenieur Pierre nach 110 tägiger Untersuchungshaft vorläufig in Freiheit gefekt. Bei seiner Ankunft in Landerneau wurde er vom Publikum lebhaft begrüßt.